2019

Diese Sammlung von kleinen Erlebnisberichten und Anekdoten beruht ausschließlich auf persönlichen Erlebnissen. Sie erhebt keinen Anspruch auf vollständige Darstellung eines Landes, einer Volksgruppe oder eines beschrieben Menschen, so, wie es auch keine andere von einem Menschen über andere Menschen geschriebene Darstellung je tun sollte. Es handelt sich stets nur um aufgefangene Eindrücke, Momentaufnahmen und Interpretationen des Geschehens.

„Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt.“

Arthur Schopenhauer

Ankommen! Losfahren! Und - oh, doch nicht.

Aller Anfang beginnt mit einem Ende oder Abschied, so auch hier. Zu Freunden und Familie „Auf Wiedersehen“ zu sagen ist nie leicht, aber wenn man es geschafft hat, bedeutet das auch, dass es losgehen kann!

Die Reise beginnt eine Woche verspätet, weil die deutsche Spedition leider vergessen hat, eine Kleinigkeit zu erwähnen: Der Camper kann aus seinem Container und vom Hafengelände nur mit Hilfe eines Brokers geholt werden. Planung – eins drauf mit Mappe. Naja, fast. Nach ein paar Tagen ist trotzdem alles geregelt, der Wagen hat die Überfahrt gut überstanden und steht nach so langer Planung tatsächlich auf malaysischem Boden!

Die ersten Nächte im Camper zeichnen sich vor allem durch extreme Hitze aus. Ohne Klimaanlage, bei einer Tiefsttemperatur von 30 Grad (allerdings nur um 5 Uhr morgens) ist es im Auto fast unerträglich. Eigentlich hätte es laut den Klimadiagrammen für diese Region zwar warm, aber nicht so heiß sein sollen. Die Nachfrage bei der lokalen Bevölkerung bringt die Erkenntnis, dass das Wetter sonst nie so ist. Absoluter Ausnahmezustand. Diesen Satz im Urlaub auch schon mal gehört? Der Kauf eines großen Ventilators schafft zumindest etwas Abhilfe.

Der Verkehr ist dafür weit weniger chaotisch als befürchtet. Es gibt eine Menge Rollerfahrer, die ihre Gefährte mit allem beladen, was sich nicht wehrt. Dazu zählen häufig diverse Kinder, Tiere oder der monatliche Einkauf. Auch Straßenstände sind gut auf die vielen Roller eingestellt: Es gibt viele Getränke mit crushed Eis in Plastiktüten und Strohhalm drin, damit man sie einfach an den Lenker hängen kann. Ziemlich praktisch eigentlich. An Ampeln und Verkehrsschilder wird sich mehrheitlich gehalten. Und im Zweifel hat der Größere Recht, was praktisch ist, wenn man einen Defender fährt.

Alles in allem ist Malaysia ein guter Startpunkt gewesen. Die Infrastrukturen sind verhältnismäßig gut ausgebaut. Es gibt genügen Tankstellen, Supermärkte mit voller Auslage und der Straßenzustand ist passabel – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Menschen beobachten den Camper neugierig, reagieren freundlich auf einen Gruß und sprechen oft genug Englisch, um sich verständigen zu können.

 

Von streitlustigen Affen und einem Defender mit Schluckauf

Die Einreise nach Thailand erfolgt nach einer Empfehlung anderer Reisender über einen kleinen Grenzübergang im Süd-Osten des Landes in die Provinz Pattani. Das Auswärtige Amt warnt aktuell vor dieser und der Nachbarprovinz Songkhla, deshalb ist der Aufenthalt hier kurz. Trotz der teilweise extrem ärmlichen Verhältnisse sind die Menschen freundlich und vor allem sehr neugierig. In diesen südlichen Provinzen kommen offensichtlich nicht viele Ausländer vorbei, immer wieder kommt in Gestenform die Bitte nach Selfies und Fotos. Ansonsten unterscheidet sich dieser Teil des Landes vor allem durch massive Militärpräsenz und viele Polizeikontrollen. Im Hinblick auf die Reisewarnung geht es nach nur einer Nacht an einem wunderschönen Strand weiter an die Westküste in touristischere Gebiete.

Das Entdecken exotischer Tiere in freier Natur ist immer ein Highlight auf Reisen. In Thailand zählen Affen zu den am leichtesten anzutreffenden Tieren. Dementsprechend passiert, was so häufig vorkommt, wenn Tiere sich an Menschen gewöhnen: Sie fangen an, es auf Dinge abzusehen, die eigentlich nicht für sie geeignet sind. Wie Kameras. Meine zum Beispiel. Meine Bemühungen, die 360 Grad Kamera auf dem Stativ aufzustellen, um die niedlichen Affen festzuhalten, weckte das Interesse eines Affenkindes. Um sich die Sache mal näher anzuschauen, erklimmt es also das Stativ. Mein Versuch, die Kamera gegen das Zerlegen durch das Affenkind zu verteidigen, wird leider vom anwesenden Affenpapa nicht besonders gut aufgenommen. Dies wird durch Näherkommen und Knurren zum Ausdruck gebracht. Ich entscheide mich spontan für einen vorläufigen Sicherheitsabstand und lasse das Stativ mit Kamera – mit dem daran hängenden Affenkind – vorerst zurück. Mich dem Affenkind geschlagen geben, möchte ich dann aber doch nicht, immerhin geht es hier um die Ehre! Und vielleicht auch ein bisschen um die Kamera. Der Affenpapa hat sich mittlerweile neben dem Stativ postiert, um dem Jüngling sein neues Spielzeug zu sichern. Nach kurzer Planungsphase starte ich die Umsetzung meines Masterplans zur Wiedererlangung meiner Besitztümer. Ich pirsche sehr langsam näher, greife mit längstmöglichem Arm nach meinem Stativ und verlasse die Szene fluchtartig. Knappes 1:0 für mich, immerhin dokumentiert in vollen 360 Grad.

Abgesehen von Affen hat Thailand tolle Tempel, spektakuläre Sonnenuntergänge und eine gute Infrastruktur zu bieten. Wer möchte, kann die touristischen Gebiete meiden und einsame Strände und ursprüngliche Landstriche entdecken. Das geht vor allem dann gut, wenn man ein funktionierendes Auto hat. Am bestens eins mit genügend Motor-, Getriebe- und, im Falle des Defenders, Differentialöl. Leider wird die Öllache in dem kleinen Eimer unter dem Wagen jeden Tag größer. Natürlich genau jetzt, nach vier Jahren ohne ernsthafte Probleme. Aber da Ölverluste nicht zu vernachlässigen sind, bleibt nichts anderes als ein Werkstattbesuch. Eine teure Reparatur und ein paar Tage später, geht es dann aus Bangkok weiter gen Kambodscha. Der verlorenen Zeit wegen muss der Norden Thailands leider auf die „To Do“ Liste für’s nächste Mal verlegt werden.

 

Über Gastfreundschaft und die Vorteile von Führerscheinen

Ab Kambodscha herrscht wieder gewohnter Rechtsverkehr. Man sollte meinen, das würde das Fahren vereinfachen. Diese Rechnung ist leider ohne den Fahrstil der Kambodschaner gemacht. Gespräche mit der lokalen Bevölkerung bestätigen die Vermutung: Einen Führerschein muss in Kambodscha keiner machen. Dieser Umstand, gepaart mit einer ungesunden Mischung aus „Schneller als 30 fahre ich nicht“- und „Es wird schon gutgehen, wenn ich nur schnell genug bin“-Autofahrern, macht das Fahren auf kambodschanischen Straßen zum Abenteuer. Zur gängigen Praxis gehören das Überholen in der Kurve und das Ausweichen des Gegenverkehrs sowie des gerade Überholten auf die Seitenstreifen, damit der Überholende in der Mitte knapp durchpasst. Auch immer wieder gern gesehen sind den Spannungsfaktor erhöhende Schlaglöcher oder fehlende Straßenstücken auf 80iger Strecken. Wem es dann noch nicht reicht (oder wer in Eile ist), der kann den Schwierigkeitslevel durch Nachtfahrten noch erhöhen. Hier kommen vorzugsweise unbeleuchtete LKW dazu sowie ebenfalls unbeleuchtete Mopeds, beladen mit ganzen Familien. Auch gerne auf der Gegenspur, da sie gerade einen der besagten unbeleuchteten LKW überholen.

Wenn man sich nun eine Weile durch den beschriebenen Verkehr gewurstelt hat, kommt man gegebenenfalls in Phnom Penh an. Zusätzlich zu den bekannten Highlights Kambodschas, wie Angkor Wat und Siem Reap, ist die Hauptstadt in besonderer Erinnerung geblieben. Das ist vor allem der Gastfreundschaft eines Mönches zu verdanken. Zunächst erlaubte er das Campen auf dem Tempelgelände und bot dazu noch sein Badezimmer inklusive einfacher Dusche (ein großer Eimer und eine Schöpfkelle, funktioniert erstaunlich gut) und WC an. In der Mitte der Stadt einen derart komfortablen Platz zum Übernachten zu haben, war schon ein Highlight. Zusätzlich nahm er sich aber noch die Zeit, das Tempelgelände ausführlich zu zeigen, einen langen Spaziergang durch die Stadt zu machen und dazu viel zu erklären. Zum Abschied verschenkte der Mönch noch je eine große Kiste mit Wasser, eine mit Fanta und eine mit Nudeln. Ein beeindruckendes Vorbild, wie offen und gastfreundlich man fremde Besucher empfangen kann. Vielen Dank für diese wundervolle Erfahrung!

Kurz bevor es Richtung Laos geht, beginnt noch das Songkran Fest. Es ist das kambodschanische Neujahresfest und wird traditionell – wie auch in Thailand – mit einer Menge Wasser und Kalkpulver gefeiert. Eher weniger traditionell sind allerdings wohl die gigantischen Wasserpistolen mit zusätzlichem Rucksackwassertank, die ohne Rücksicht auf Verluste (z.B. elektronischer Geräte wie Kameras) eingesetzt werden. Mit besonderer Freunde, aber in keinem Fall in böser Absicht, gegen unbedarfte Touristen. Schließlich bedeutet das Wasser Segnung für das kommende Jahr. Wer sich vorher ein wenig schlau gemacht hat und weiß, was einen erwartet, kann viel Freude am Festival haben. Insgesamt dauert es 3 Tage und wird allerorts – je nach Größe des Dorfs – in Form von familiären bis hin zu gigantischen Partys gefeiert.

 

Über Bier für den Fahrer und eine kleine Pause

Die drei Tage Songkran Fest sind noch nicht um, als die Einreise nach Laos erfolgt. Hier heißt das Fest anders, sieht aber genauso aus wie in Kambodscha. In jedem Dorf gibt es eine Straßensperre, an der lachende Menschen jeden Alters Autos und Rollerfahrer anhalten, um jedem einen gehörigen Schwupp Wasser überzugiessen und etwas Kalkpulver hinterher zu werfen. Nach kürzester Zeit ist man bestens im „sehr schnell das Fenster hochkurbeln“ geübt. Am Eingang eines Parkplatzes bietet ein sturzbetrunkener Wachmann freundlich Bier mit Eiswürfeln aus abgeschnittenen Plastikflaschen an, nachdem er mitbekommen hat, dass der Wagen samt Insassen aus Deutschland kommt. Die Festivalzeit ist auch in Laos wirklich eine schöne Zeit. Das scheinen die Menschen im übrigen genauso zu sehen, denn in den kommenden Tagen – obwohl das Festival längst vorbei ist – nehmen die Partys am Straßenrand und die Straßensperren nur langsam ab.

Laos ist im Vergleich zu Kambodscha deutlich weniger besiedelt, sollte also dementsprechend ein wahres Camping Paradies sein. Tolle Landschaften, bergig und mit viel Urwald bewachsen, sind perfekte Voraussetzungen für spektakuläre Schlafplätze. Leider machen die nach wie vor steigenden Temperaturen einen Strich durch die Rechnung. Inzwischen ist das Thermometer bei 42 Grad Tagestemperatur angekommen, im Schatten natürlich. Die Fahrzeiten sind durch die schlechten Straßen oft viele Stunden lang und die Zeit im Auto ohne Klimaanlage eine Herausforderung. Säcke mit Eis in Handtücher eingewickelt, bringen zeitweise behelfsmäßige Abkühlung. Der letzte Stopp in Laos, kurz bevor es nach China weitergeht, ist Luang Prabang. Aufgrund der extremen Hitze und dem Wissen um den bevorstehenden, straffen Zeitplan in China fällt die Entscheidung auf zwei Nächte „Energie tanken“ im Hotel mit Klimaanlage in Luang Prabang. Schließlich soll der Spaß an der Reise ja nicht verloren gehen. So findet die Zeit in Laos einen angenehmen und luxuriösen Abschluss.